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Fahrradkuriere

 

In den Großstädten gehören wir längst zum alltäglichen Bild, tauchen fast selbstverständlich hinter Autos und Hochhausecken vor, flankieren standesgemäß herumstehende Passanten oder Vierbeiner, scheinbar unberührt von dem uns umgebenen Trubel.

Seit unserer Etablierung als professionelle Dienstleistungsunternehmen erledigen wir Kurier– und Expresszustellungen, bieten In-House-Lösungen und die Handhabung von Tagespost an, übernehmen Botendienste, organisieren Sammelauslieferungen oder kooperieren mit anderen Logistikanbietern, um auf die Bedürfnisse unserer Kunden besser eingehen zu können.

 

Worum geht’s noch mal? Etwa dieser verschwitzte Typ, der drei mal am Tag hereinbraust, um Briefe, Tüten, Päckchen, Blumensträuße, Obst, Sandwiches, Stoffbären, Bücher, Überweisungsträger, Schnellschnitte, Filme, Grundrisse, Gutachten, Theaterkarten, Verträge, Offerten, Plädoyers, Plakate, Flugtickets, Medikamente, Zahnersatz, Schuster- oder Schneidereien samt zerknitterten Lieferscheinen, unter knirschend konzentrierten Blicken aus den schier unendlichen Weiten seiner Tasche hervorzubringen?

 

Ganz Genau. Er ist einer von momentan ca. 50 tätigen Fahrradkurieren, derer täglich 25 zwischen acht und 20 Uhr auf den Frankfurter Verkehrsadern und –kapillaren im Einsatz sind. Dies entspricht einer wöchentlichen Präsenz von 1.250 Stunden im öffentlichen Treiben unserer Stadt, bzw. einer Fahrleistung von durchschnittlich 12.500 km im gleichen Zeitraum.

Durch unsere weitestgehend lärmreduziert, in jedem fall aber vollkommen schadstofffrei erbrachte Leistung, tragen wir unmittelbar und nachhaltig zu einem besseren Stadtklima bei. Verlässlich und flexibel realisieren wir eine ökologisch orientierte und ökonomisch bedeutsame Dienstleistung.

 

Darüber hinaus gilt unser Schlag – entsprechend seiner geschichtlichen Herkunft – als ausdauernd, vertrauensvoll und loyal, allerdings auch einer Tasse Kaffee selten abgeneigt. Gelegentlich werden wir aufgrund unseres spontanen Einfallsreichtums oder der sorgfältigen Präzision, mit der wir unser Tageswerk begehen, von Empfangsdamen mit Schokoladentäfelchen oder frischem Obst liebevoll traktiert. Glaubt man unseren Kunden, so sind dies weitere Gründe für unser Engagement.

 

Wird unser Anspruch, die schnellsten Verkehrsteilnehmer im Stadtgebiet zu sein auch häufig belächelt, unterschätzt oder gar nicht ernst genommen; spiegelt er vielleicht auch Teile unseres Idealismus oder einer Lebenseinstellung wider, so doch vor allem die faktische Überlegenheit gegenüber anderen Fahrzeugen. Die Mobilität von Fahrradkurieren ist in der Stadt nicht zu bezwingen - end of story. Das sportliche Bedürfnis sich mit vermeintlich Stärkeren auf nationalen oder internationalen Kurierevents zu messen, findet wohl hier einen Ursprung.

 

Der gesellschaftliche Mehrwert von Fahrradkurieren dürfte durch ihre vielschichtigen, manchmal undurchsichtigen Nebenbeschäftigungen im Joballtag als alternative Touristeninformation, Szeneguides, allgemein anerkannter Karten- und Pumpenverleih, helfende Hände in allerlei verstrickter Situationen, Inspirationsquell, couragierte Impulsgeber in monetären Werten – zum Glück –  schwer zu beziffern sein.

 

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